Welches Objektiv brauche ich?

Zu diesem Thema gibt es etwa 20 Millionen Webseiten. Und doch, da mir die Frage persönlich immer wieder gestellt wird, möchte ich dazu heute auch etwas beitragen.

Die meisten Neueinsteiger in die Fotografie kaufen sich eine Kamera mit einem Objektiv, und fangen erst einmal an. Zumeist kommt jedoch recht schnell der Wunsch nach einem weiteren Objektiv auf – ohne genau zu wissen warum und wofür. Und genau hier liegt zumeist schon der Fehler.

Was für ein Objektiv brauche ich eigentlich?

Was ich brauche, und ob ich überhaupt etwas Anderes brauche hängt davon ab, was ich am liebsten an welchem Ort fotografiere. Fotografiere ich am liebsten Landschaft in den Bergen, dann ist ein Weitwinkel Objektiv das, was ich gebrauchen könnte. Fotografiere ich am liebsten scheue Tiere, sollte es ein Teleobjektiv werden. Und für alle die „auf Menschen losgehen“ möchten, darf es eine Normalbrennweite sein. So Thema durch. Alle wissen Bescheid.

Nicht ganz. Was brauche ich denn, wenn ich gerne Menschen UND Berge fotografiere? Vielleicht ein 28-250mm? Damit kann ich dann ja alles machen. Bei diesem Ansatz ist Vorsicht geboten. Denn je mehr „Bereiche“ ein Objektiv abdecken kann, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Qualität merklich schlechter ist, als bei Objektiven für nur einen Bereich geschaffen wurden. Ich sollte mich also für die Berge ODER die Menschen zuerst entscheiden.

Ausnahmen bestätigen die Regel. Gehe ich zum Beispiel viel auf Reisen, habe aber keine Lust drei oder vier Objektive mit mir herum zu schleppen, kann ein Reisezoom durchaus Sinn machen. Ich muss jedoch die schlechtere Qualität der Bilder berücksichtigen. Im Besonderen der Weitwinkelbereich dieser Objektive hat oft eine sehr schlechte Qualität. Hier gibt es dann Verzerrungen, die keinen Spaß machen und auch mit der Schärfeleistung können diese Linsen selten glänzen. Wählt n dann noch ein besonders leichtes Exemplar, ist auch die Lichtstärke sehr oft mehr als bescheiden.

Aber welche optische/technische Qualität brauche ich wirklich?

Man kann jetzt der festen Meinung sein, dass nur das Beste gerade gut genug ist. Glaubt man Vergleichstest, die es im Netz wie in Zeitschriften zu Hauf gibt, können nur die Hersteller von Kameras auch die passenden Objektive in annehmbarer Qualität liefern.

Doch weit gefehlt. Man sollte sich diese Tests wirklich sehr genau ansehen! Nicht selten werden hier Maßstäbe angesetzt, welche nur für den Profi oder den Spezialanwender relevant sind. Der durchschnittliche Amateurfotograf würde den Unterschied zwischen einem Objektiv des eigenen Kameraherstellers und dem Pendant eines Drittherstellers kaum bemerken. Natürlich muss man sich die Objektive genau ansehen und Bewertungen lesen, aber am Ende sollte man es lieber einmal ausprobieren, als dass man einfach so 1000 Euro und mehr zu viel ausgibt.

Was in Tests gerne bemängelt wird

Geschwindigkeit: In vielen Fällen werden Dritthersteller abgewatscht, weil der Autofokus nicht so schnell ist. Aber, wer nicht gerade Kolibris, Hundesport oder Formel 1 fotografiert, der kommt damit oft ganz gut zurecht. Einem Portrait- oder Landschaftsfotografen zum Beispiel kann die Autofokus Geschwindigkeit herzlich egal sein.

Schärfe: Ja, es gibt sie. Objektive die wirklich unzureichend scharf sind. Aber es gibt auch Objektive, die sind so scharf, dass man das gar nicht wirklich ausnutzt. Zum Beispiel, weil man seine Bilder nicht in Wandplakatgröße ausdruckt oder an die Geo verkauft. Ausprobieren, in 100% am Monitor ansehen und selbst entscheiden.

Randunschärfe: Alle Objektive sind am Bildrand unschärfer als in der Mitte. Manche mehr, manche weniger. Wie schlimm es wirklich ist, und ob das für mich relevant ist, kann ich nur ausprobieren. Und zwar nicht mit Motiven, die sich die Tester vom Fachmagazin rausgesucht haben, sondern mit denen, die ich im Normalfall auch tatsächlich fotografiere.

Verzerrungen: Siehe Randunschärfe

Geräusche: Bei den allermeisten fotografischen Aufgaben ist völlig Wurscht, ob das Objektiv ein paar Geräusche von sich gibt oder nicht. Wie laut es wirklich ist, und ob das nun relevant ist, kann man wieder nur selbst herausfinden. Stabilisator einschalten, Autofokus auf „Nachverfolgen“ stellen, und los geht er, der eigene kleine Test.

Wie mache ich meinen eigenen Test?

Der einfachste Weg ist der Gang in ein Fachgeschäft, welches das gewünschte Objektiv vorrätig hat. In echten Fachgeschäften kann, darf und soll ich diese nämlich ausprobieren, bevor ich sie kaufe. Man kann dort auch gegen andere Hersteller vergleichen und auch noch Fragen stellen, die kompetent (Ausnahmen bestätigen die Regel) beantwortet werden.

Die Alternative ist das Bestellen im Internet. Je nach Versender habe ich 14 bis 30 Tage Zeit zu testen und ggf. wieder zurückzuschicken. Amazon prime Kunden können dieses sogar kostenlos und zudem sogar mit gebrauchten Waren aus den Warehouse Deals. Coole Sache, habe ich auch schon genutzt.

Ich hoffe, dass ich Dir mit meinem Artikel ein klein wenig helfen konnte, und Du jetzt besser oder leichter entscheiden kannst, welches Objektiv Du Dir kaufen solltest. Ich wünsche Dir viel Vergnügen beim Shoppen!

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: