Presseausweis für Fotografen

Irgendwie ist dieses Thema nicht totzukriegen, und heute denke ich, ich muss mich mal einmischen. Warum? Weil ich tatsächlich mal einen Presseausweis hatte. Sogar DEN Presseausweis. Aha, jetzt wird’s aber spannend? Nein, eher ernüchternd. Aber alles der Reihe nach. Früher oder später glaubt jeder zweite Amateurfotograf, dass doch so ein Presseausweis eine feine Sache wäre. Kostenlos zu Konzerten der Lieblingsband gehen und auch noch fotografieren. An der Polizeisperre einfach durchgehen. Tolle Rabatte beim Neuwagen abräumen. Einfach eine runde Sache.

Doch was ist eigentlich der Presseausweis?

Anbieter von Presseausweisen gibt es wie Sand am Meer. Aber trauen kannst Du fast keinem. Die meisten sogenannten Presseausweise sind das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt wurden. In Deutschland gibt es für die Pressearbeit den Bundeseinheitlichen Presseausweis (BPA). Dieser ist der einzige, mit man wirklich etwas anfangen/erreichen kann. Er wird von mehreren Stellen ausgegeben – aber nur an Journalisten. Auch an Fotografen, die als Pressefotograf arbeiten. Er muss beantragt werden, und zwar jedes Jahr aufs Neue. Dem Antrag sind ausreichende Nachweise beizufügen, die die Arbeit als Pressevertreter belegen. Eine Veröffentlichung in Deiner Örtlichen Tageszeitung reicht hier keinesfalls. Man muss schon nachweisen, dass man davon lebt. Der Ausweis ist nicht kostenlos – außer beim DJV, wenn man Mitglied ist. Mehr zum Thema bietet auch diese Webseite. Zu Beginn dieses Jahrzehnts habe ich viel Pressefotografie gemacht, und konnte so auch den Presseausweis bekommen. Heute mache ich fast ausschließlich kommerzielle Fotografie, und habe daher keinen Anspruch mehr auf den Ausweis.

Was bringt der Presseausweis?

Zunächst einmal kann man sich als Pressevertreter ausweisen. Das muss man zum Beispiel, wenn man an Pressekonferenzen teilnehmen oder gewisse Unterlagen einsehen möchte. Man braucht ihn oft, um sich für Veranstaltungen akkreditieren zu lassen. Viele Fotografen glauben, sie könnten mit dem Presseausweis zum erste Bundesliga oder tolle Konzerte fotografieren. Weit gefehlt. Um als Fotograf für große Konzerte zugelassen zu werden muss man mehr bieten. Zum Beispiel den Redaktionsauftrag einer namhaften Publikation. Nicht gerade das Käseblatt aus Kleinkleckersdorf. Beim Fußball ist ebenso. Für die erste und zweite Bundesliga gibt es noch wieder eine extra Akkreditierung, welche nur ausgesuchte Pressefotografen bekommen. Und auch in den Bundestag kommt man nicht mal ebenso. Hier ist ein weiterer Presseausweis, nämlich der für den Bundestag, erforderlich. Kleinere Konzerte mit wenig Zulauf oder Amateurfußball sind aber ohne weiters machbar.

Und tatsächlich auch bei der Polizei ist der Presseausweis hilfreich. An Absperrungen kommt man vorbei – wenn die Sicherheitslage es erlaubt. Man bekommt (manchmal) ein paar Infos mehr als Normalsterbliche und gelegentlich darf man bei Einsätzen dabei sein. Aber auch bei Behörden wie der Polizei genügt der Ausweis allein in der Regel nicht. Bei fast allem was spannend ist braucht meine eine Redaktion im Hintergrund, die zusichert die Fotos auch zu veröffentlichen. Etwas, das ein Amateur nicht bieten kann.

Sind die Rabatte nur ein Märchen?

Nein, die Rabatte für Inhaber eines Presseausweises gibt es wirklich. Bei Neuwagen spart man bis zu 20%, und auch der Zoobesuch kostet nur noch die überteuerten Pommes, der Eintritt hingegen ist in der Regel frei. Aber am Ende dient der BPA nur der Unterstützung bei der Pressearbeit. Er ist kein Wunderwerk, er öffnet nur wenige Türen und er bleibt für Nicht-Journalisten unerreichbar. Und das ist auch gut so!

Ich hoffe, dass ich Dich nicht allzu sehr demotiviert habe! Ich freue mich über Kommentare, Likes und natürlich auch das Teilen via facebook und Konsorten.

Schreib mir gerne, wenn es ein Thema gibt, das Dir am Herzen liegt!

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