Fluch und Segen Drittelregel

Wir haben alle schon einmal von ihr gehört. Den meisten Profis läuft es kalt den Rücken runter, wenn man sie erwähnt. Und doch, man kann ihr etwas abgewinnen der Drittelregel. Sie kann Dir helfen Deine Bilder ansprechender zu gestalten. Leider kann sie auch dazu führen, dass Deine Bilder langweiliger werden. Doch immer der Reihe nach.

Wie funktioniert die Drittelregel?

Auch ohne ein mathematisches Genie zu sein, kann man darauf kommen, wie die Drittelregel funktioniert. So teilt man das (Sucher)Bild in horizontale und vertikale Drittel. Das erreicht man am ehesten, indem man jeweils zwei Linien von links nach rechts und von oben nach unten zieht. Nun habe ich nicht nur Drittel, sondern auch Schnittpunkte. Um genau zu sein, sind es derer vier. Wenn ich als Fotograf jetzt mein Motiv genau an einem dieser Schnittpunkte positioniere, wirkt das Bild – theoretisch – ausgewogen, bzw. besser als wenn ich es anders positionieren würde. Auf dem Titelbild des Artikels funktioniert schon das ganz gut. Aber wie bei allen Regeln ist es so, dass man das Ganze nicht pauschalisieren kann. Ein negatives Beispiel:

Drittelregel falsch interpretiert
Drittelregel falsch interpretiert

Der übrige Rest der Bildgestaltung sollte natürlich auch passen. Ich kann mich nicht auf die Drittelregel alleine verlassen, und sollte auch fortan das Bildgewicht im Lot halten und mich mit Linien- und Blickführung beschäftigen. Die meisten Profifotografen, mich eingeschlossen, behaupten sich nicht mit der Drittelregel zu beschäftigen. Das wird auch so stimmen, aber unbewusst fotografieren wir häufig nach diesem Prinzip. Legt man das Drittelraster auf bekannte Fotos, sieht man, wie oft das eigentliche Motive tatsächlich an einem der vier Schnittpunkte liegt. Es muss also etwas dran sein. Man kann es auch am Computer nachträglich mit den eigenen Fotos ausprobieren. Versuche bei nicht ganz so gelungenen Aufnahmen das Motiv an eine der Schnittpunkte zu verschieben. Du wirst bei vielen Fotos sehen, dass es wirklich funktioniert.

Wie man die Drittelregel praktisch anwendet

Bei vielen modernen Digitalkameras kann man sich das Drittelraster einfach im Sucher einblenden lassen. Google verrät ebenso gut wie das Handbuch Deiner Kamera, wie man das einstellen kann. Das ist der einfachste Weg, um die Drittel bzw. die Schnittpunkte schon im Sucher sehen zu können. Durch Schwenken der Kamera kann man nun live und in Farbe versuchen den „richtigen“ Schnittpunkt für das Foto zu finden. Bei digitalen Spiegelreflexkameras kann man die Drittel oft nur im Liveview zuschalten. Dafür kann man bei vielen Modellen die Mattscheibe tauschen, und sich eine solche einbauen, auf der die Drittel quasi eingraviert sind. Dieser Umbau ist aber nur Fotografen geeignet, die Geduld und Fingerspitzengefühl mitbringen, da es innerhalb des Kamerabodys durchaus recht eng sein kann.

Netter Nebeneffekt der Drittellinien: Man (besonders ich) kann die Linien nutzen um das gesamte Bild gerade auszurichten. Fortan läuft das Meer nicht mehr rechts der links aus dem Bild, und Gebäude stehen wie im 90° Winkel zum Boden. Auch bei Innenaufnahmen haben mir die Linien schon oft helfen können, weil man sofort sieht, welche Verzerrungen man wirklich hat, und wie man das kleinere Übel fotografieren kann.

Was man von der Drittelregel ableiten kann

War da nicht noch etwas mit oberem und unterem Drittel? Und diese Sache mit 1/3 und 2/3? Ja, da war noch was! Bildgestaltung kann so einfach sein. Teile zum Beispiel Deine Landschaftsbilder in 1/3 Himmel und 2/3 Landschaft ein, oder drehe dieses Verhältnis auch einmal um. Beides wirkt positiv. Bei Portraits ist es nun ein Stück weit einfacher die Augen jeweils im oberen Drittel des Bildes zu halten, um ein ausgewogenes Erscheinungsbild zu bekommen.

Fazit

Eigentlich ist sie gar nicht so doof die Drittelregel. Ich kann sie nutzen um meine Bilder verbessern, und mich bei der Gestaltung und Aufteilung meiner Fotos unterstützen lassen. Aber ich muss Acht geben, dass ich mich nicht von der Regel in Zwänge treiben lasse, denn die besten Bilder entsprechen ebenso oft eben nicht den Regeln der magischen Drittel!

Ich hoffe, dass ich Dir mit meinem Artikel etwas helfen konnte, und würde mich freuen, wenn Du ihn teilst oder kommentierst!

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